Phasenkonzept

Innerhalb eines Modellunternehmens hat jede Schülerin und jeder Schüler Aufgaben seines Tätigkeitsbereiches zu erledigen, d. h. er arbeitet funktionsspezifisch. Der Unterricht muss daher durch Arbeitsanweisungen oder andere Steuerungselemente (Formulare, Diagramme, dv-Steuerung) gestützt werden, fundamentale Regelungen, die den Unterrichtsleiter (Lehrer) nachhaltig entlasten und selbstständiges Handeln der Schüler fördern (Grundsatz der Lehrinversion).

Unterrichtsphasen

Im Laufe des Lernprozesses treten jedoch erfahrungsgemäß Störgrößen auf, die in den unterschiedlichen Arbeitsleistungen der einzelnen Abteilungen und Schüler ihre Ursache haben können. Lehrer und Schüler wären trotz vorhandener Arbeitsanweisungen in der Anfangsphase größten Schwierigkeiten ausgesetzt. Man stelle sich einen Betrieb, bestehend aus einem Chef und zwanzig Auszubildenden vor, von denen jeder eine andere kaufmännische Tätigkeit erlernen und ausüben soll. Aus diesem Grund ist es erforderlich, der funktionsspezialisierten Simulation eine funktionsparallele Phase (Hinführungsphase, gebundene Phase) vorzuschalten.

Alle Schülerinnen und Schüler handeln in der ersten Phase funktionsparallel, verrichten zeitlich also jeweils gleiche Büroarbeiten (gebundene Tätigkeit). Mittelpunkt ist dabei ein grundlegender Geschäftsablauf gegenüber einem Kunden und einem Lieferer (Anfrage - Angebot - Bestellung - Lieferung und Rechnung - Zahlungsausgleich). Er löst Nebenarbeiten aus, wie z. B. Buchen der anfallenden Belege in einem Geschäftsgang, Eintragen in Unterlagen, Ausfüllen von Zahlungsformularen, die, wie der Geschäftsablauf selbst, bereits auf eine mögliche Phase 2 (funktionsspezialisierte Tätigkeit, freie Simulation) abgestimmt sind (z. B. Name des Modellunternehmens, Kunden, Lieferer, Bankverbindungen, verwendete Unterlagen usw.).

Eine Geschäftsbeziehung zwischen Kunden und der SAPELLO GmbH (Kreislaufsystem K) entsteht durch die Vorgabe einer bestimmten monatlichen Konsumentennachfrage, der Marktsituation N. Diese Nachfrage wirkt sich mittelbar auch auf die Geschäftsaktivitäten der SAPELLO GmbH und ihren Lieferern (Kreislaufsystem L) aus. Letztere entstehen also durch den Warenbedarf der Abteilung Lager/Versand. Die Anfangsbestände der Waren werden so festgelegt, dass in einzelnen Fällen der Meldebestand (Bestellbestand) erreicht oder unterschritten ist. Zeitlich gesehen würden also einige Abteilungen zunächst unterbeschäftigt bleiben. Erst wenn die geschaffenen Impulse (Arbeitsanstöße) der beiden Kreislaufsysteme alle Abteilungen erfasst haben, trägt sich das System von selbst.

Aus dieser Erfahrung heraus ist einmalig eine besondere Ablaufplanung, eine sogenannte Übergangsphase (Vorgabesteuerung), notwendig. Tabellen und Karteien müssen angelegt, bestimmte Unterlagen (Brieforiginale, Kopien; Formulare, Vorgänge, Verarbeitungszustände, Anfangsbestände) müssen zur gleichen Zeit in allen Abteilung sowie bei Kunden und Lieferern und weiteren beteiligten Stellen vorhanden sein. Um diesen Übergang zu regeln, muß man jedoch unterscheiden, ob am betreffenden Lernort arbeitsteilige Lernbüroarbeit bereits durchgeführt wurde oder zum ersten Mal realisiert werden soll. Im ersten Fall können bestimmte Einrichtungsarbeiten (z. B. Ablagenorganisation) also entfallen.

Hintergründe ...

Mit dem Phasenkonzept wird der immer wiederkehrenden Notwendigkeit Rechnung getragen, neue aufgenommene Mitarbeiter (= Schüler) didaktisch-methodisch in die Lernbüroarbeit (Bürosimulation) einzuführen.

Innerhalb einer einführenden Phase lernen alle Schüler gleichzeitig wichtige, also grundlegende Betriebsabläufe kennen (funktionsparallele Tätigkeit).

Bestimmte grundlegende Inhalte werden auf diese Weise von allen Schülern sicher gelernt.